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Nähere Informationen über die Organisation und die Arbeit des Verwaltungsgerichtshofes können Sie auch der Informationsbroschüre entnehmen, die hier zum Download bereitsteht.

Aktuelle Fotos zur Böhmischen Hofkanzlei finden Sie hier:

Der VwGH-Amtssitz seit 1936 – Die böhmisch-österreichische Hofkanzlei

Im Dezember 1936 wird der Amtssitz des Bundesgerichtshofes in das Amtsgebäude auf den Judenplatz 11 (offizielle Adresse Wipplingerstraße 7) verlegt.

Das Gebäude des VwGH (ehamalige Böhmische Hofkanzlei) Foto: Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte/Steyer, Pani Bild vergrößern

1617 wird die Verwaltung der Angelegenheiten Böhmens (später auch Mährens und Schlesiens) von Prag nach Wien verlegt. Im Jahr 1662 findet sich die Hofkanzlei und ihr Archiv noch im Haus der Witwe Freisleben in der Wildwerkerstraße (heute Wipplingerstraße) untergebracht. Als aber auch der Ankauf angrenzender Häuser den zunehmenden Platzbedarf der böhmischen Verwaltung nicht mehr lindert, drängt der amtierende Hofkanzler Johann Wenzel Wratislaw von Mitrowitz (1669–1712) auf einen Neubau. Von 1709 bis 1714 errichtet schließlich Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723) auf den Grundmauern von mittelalterlichen Häusern ein neunachsiges, dreistöckiges Amtsgebäude (inklusive repräsentativer Dienstwohnung für den Hofkanzler und seine Familie).Die Hauptfassade des Gebäudes befindet sich in der Wipplingerstraße, die Rückseite in der Jordangasse. Im Jahr 1716 wird die Fassade anlässlich der Geburt von Kronprinz Leopold festlich illuminiert und bei dieser Gelegenheit vom Hofantiquar Carl Gustav Heraeus (1671-1725) als „Basilica Romana“ bezeichnet.

Wappen Maria Theresias Wappen Maria Theresias
Foto: Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte/Steyer, Pani Bild vergrößern

Maria Theresia löst im Mai 1749 die Böhmische und die Österreichische Hofkanzlei auf und verteilt deren Aufgaben auf die neu entstandene Oberste Justizstelle und das „Directorium in publicis et cameralibus“ („Innen- und Finanzministerium“ des habsburgischen Kaisertums). Der erhöhte Platzbedarf in der Böhmischen Hofkanzlei wird durch eine Erweiterung des vorhandenen Gebäudes gedeckt. Mathias Gerl (1712-1765) wird 1752 damit beauftragt, er verdoppelt bis 1754 den Bau Fischers von Erlach und fügt noch jeweils eine weitere Fensterachse an den beiden Schmalseiten in der heutigen Fütterer- und der Jordangasse an. Gerl übernimmt die Formensprache Fischers von Erlach an der Fassade Wipplingerstraße. Die Gestaltung der „Rückseite“, Richtung Judenplatz, einschließlich der umfangreichen Wappenausstattung ist das Werk Mathias Gerls: die Wappen von Böhmen, Mähren und Schlesien über den Eingangstoren des „alten“ Bauteils von Fischer von Erlach, die Wappen Österreichs oberhalb des Eingangs Judenplatz 11, unterhalb der Dachfirste in der Fütterergasse das Wappen Maria Theresias (1717–1780) und in der Jordangasse das Wappen von Franz Stephan von Lothringen (1708–1765).

Löwenstiege der ehemaligen Böhmischen Hofkanzlei Löwenstiege
Foto: Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte/Steyer, Pani Bild vergrößern

Im Innern finden sich ua die Löwenstiege Fischer von Erlachs, seit 1848 ausgestattet mit einer Austria-Statue von Hanns Gasser (1817–1868); im Gerl’schen Bauteil die prachtvolle Puttenstiege; ein rosa Salon, das ehemaligen „Kleine Tafelzimmer“, mit einer Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert, auf der Putti in exotischer Kostümierung eine heitere Note verströmen. An der Fassade Jordangasse, gegenüber dem Sternhof, in dem im Jahr 1723 Johann Bernhard Fischer von Erlach verstirbt, findet sich oberhalb einer schmalen Holztüre eine Kartusche, mit der Himmelfahrt der Heiligen Theresia: sie zeigt den ehemaligen Eingang zur Hauskapelle der Hofkanzlei an, deren Errichtung Maria Theresia im Februar 1756 in einem Stiftungsbrief verfügt hatte. An der Orgel dieser, sich ursprünglich über drei Stockwerke erstreckenden Kapelle begleitete Joseph Haydn (1732–1809) zwischen Februar 1756 und Sommer 1759 regelmäßig die Sonntags- und Feiertagsfrühmessen. Diese Kapelle wird von Joseph II. (1741–1790) per Handbillet im September 1782 wieder aufgelassen und der Kirchenraum durch Zwischendecken in mehrere Arbeitsräume unterteilt. Einzig die Treppe zum Orgelbalkon und ein Deckengemälde aus der Schule von Bartolomeo Altomonte (1694–1783), das nach 1946 während Renovierungsarbeiten wiederentdeckt wird, haben die Jahrhunderte überdauert.

Während der Belagerung Wiens durch Napoleon wird das Gebäude am 11. Mai 1809 durch Kanonenbeschuss beschädigt. Mehrfache Restaurierungen, Umgestaltungen und Modernisierungen des Amtsgebäudes im 19. Jahrhundert verändern nachhaltig das Aussehen des Gebäudes im Inneren und Äußern. Vor allem die Renovierung im Jahr 1822 verändert den Gesamteindruck stark; Emil von Förster (1838-1909) rekonstruiert 1895/1896 die Repräsentationsräume des Gebäudes im Stile Fischers von Erlach und gibt ihnen damit ihr heutiges Aussehen.

Am 10. September 1944 wird der Bereich Wipplingerstraße/Jordangasse durch einen Bombentreffer schwer beschädigt. Ab 1945 übernimmt der Architekt Erich Boltenstern die Instandsetzung und Modernisierung des Hauses. Sichtbare Spuren seines Wirkens sind noch in der Bibliothek des VwGH und in teilweise erhaltenen Raumausstattungen zu finden. Vor allem die Fußgängerpassage in der Wipplingerstraße ist städtebaulich gelungen: deren erstes Konzept stammt eigentlich aus dem Jahr 1908 - hier war damals noch eine Straßenbahntrasse mit Oberleitung geplant.

Entwurf Boltenstein Entwurf Boltensteins
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