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Nähere Informationen über die Organisation und die Arbeit des Verwaltungsgerichtshofes können Sie auch der Informationsbroschüre entnehmen, die hier zum Download bereitsteht.

Aktuelle Fotos zur Böhmischen Hofkanzlei finden Sie hier:

Vier Präsidenten und ein Kaiser

Schönborn und Bacquehem vorne stehend, rechts ein Bild von Stählin, links eins von Belcredi Bild vergrößern

Diese Fotografie fand sich in einem alten Fotoalbum des Verwaltungsgerichtshofes. Sie ist etwa 1906/1907 im Palais Epstein entstanden. Sie sehen zwei (verschmitzt lächelnde?) Herren mittleren Alters, im Hintergrund zwei Ölgemälde und links im Bild eine Büste. Diese Fotografie erzählt aus den ersten 40 Jahren des Gerichtshofes. 

Das Ölgemälde rechts im Hintergrund (leider überbelichtet) zeigt den ersten Präsidenten des VwGH Carl Freiherr von Stählin. Geboren am 5. November 1808 in Wien, studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften, trat 1830 in den Staatsdienst und durchlief als Bezirkshauptmann in der Steiermark, Kreisvorsteher in Graz bis zum Sektionschef im Innenministerium eine klassische Beamtenlaufbahn. Im Jahr 1876 wurde er zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit und zum ersten Präsidenten des neugegründeten VwGH ernannt. Er starb am 5. September 1881 in Wien. In einem der zahlreichen Nachrufe wurde er als „leuchtende Zierde des österreichischen Beamtenstandes“ bezeichnet und sein Arbeitsethos vor allem im neu gegründeten Gerichtshof hervorgehoben.

Ihm folgte der Herr im Ölgemälde auf der linken Seite nach: Richard Graf Belcredi. Er stammte aus einer lombardischen Adelsfamilie und wurde am 12. Februar 1823 in Mähren geboren. Nach juristischen Studien in Prag und Graz begann auch er seine Laufbahn im Staatsdienst, die ihn nach Znaim, Triest und Prag führte. 1865 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt. Nachdem er im Februar 1867 demissioniert war, blieb er Mitglied des Herrenhauses und wurde 1881 zum zweiten Präsidenten des VwGH ernannt. Im August 1895 trat er in den Ruhestand. Er starb am 2. Dezember 1902 in Gmunden.

Der Herr links im Bild wurde sein Nachfolger: Friedrich Graf von Schönborn-Buchheim. Geboren am 11. September 1841 bei Prag, studierte er in Prag die Rechte und trat in den Staatsdienst, wurde 1881 Mitglied des Herrenhauses und Statthalter von Mähren und 1888 Justizminister. Während seiner Amtszeit erwarb er sich große Verdienste mit der Vorlage der Entwürfe einer Zivilprozeß- und Exekutionsordnung. 1895 wurde er zum dritten Präsidenten des VwGH ernannt. In einem Porträt wurde er als „Fanatiker der richterlichen Unabhängigkeit“ bezeichnet. Er war Mitglied der Direktion der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und gehörte der Anti-Duell-Bewegung an. Am 21. Dezember 1907 starb er im 67. Lebensjahr in Wien.

Sein Nachfolger als vierter Präsident wurde der Herr rechts im Bild: Olivier Marquis Bacquehem. Am 25. August 1847 in Troppau geboren, studierte er in Wien die Rechte und trat in den Staatsdienst. Nach einer Tätigkeit im Unterrichtsministerium führte sein Weg als Verwaltungsjurist nach Bosnien und Schlesien; er wurde 1886 Handelsminister, 1893 Innenminister, 1895 Statthalter der Steiermark und 1900 Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes. 1906 folgte er Karl Lemayer als Zweiter Präsident (Vizepräsident) nach und widmete sich in seiner Zeit als Präsident vor allem dem Abbau der damals bestehenden Aktenrückstände. Er starb am 22. April 1917 in Wien.

Die Büste links im Hintergrund zeigt Kaiser Franz Joseph I. der hier quasi als Dienstgeber der vier Herren firmiert, in dessen Namen alle Judikate des Verwaltungsgerichtshofes bis 1916 ergingen.