Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrung auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu.

Weitere Informationen

Image-Film abspielen

Information

Nähere Informationen über die Organisation und die Arbeit des Verwaltungsgerichtshofes können Sie auch der Informationsbroschüre entnehmen, die hier zum Download bereitsteht.

Aktuelle Fotos zur Böhmischen Hofkanzlei finden Sie hier:

Friedrich Lehne

Große Persönlichkeiten mit vielfältigen Interessen prägen oft verschiedene Lebensbereiche, die über ihre primäre berufliche Tätigkeit weit hinausgehen. Ein Beispiel dafür ist Friedrich Lehne.

Friedrich Lehne wurde am 30. Juni 1913 in Baden geboren und studierte Rechtswissenschaften in Wien. Seinem Kunst- und Geschichtsinteresse folgend studierte er überdies am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, wo er eine später auch publizierte Staatsprüfungsarbeit einreichte, die sich der Geschichte der kaiserlichen Druckprivilegien widmete und noch heute als eine der zentralen und maßgeblichen Studien zu diesem Themenkomplex gilt. 1937 trat er in den öffentlichen Dienst der Stadt Wien ein, wurde jedoch schon 1938 nach dem „Anschluss“ aus politischen Gründen wieder entlassen.

Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft führte ihn die nächste berufliche Station zum Verwaltungsgerichtshof, wo Lehne – auf unterschiedlichen Ebenen – sein weiteres Berufsleben verbrachte: Ab April 1946 war er als Präsidialsekretär mit den administrativen Herausforderungen des kriegsbedingten Wiederaufbaues des Verwaltungsgerichtshofes befasst. Aufgrund der Personalnot auch mit „hilfsrichterlichen“ Aufgaben betraut, wurde Lehne schließlich 1955 zum Hofrat und 1971 zum Senatspräsidenten des Verwaltungsgerichtshofes ernannt, dessen Vizepräsident er überdies von 1978 bis zur Ruhestandsversetzung 1982 war. Von 1966 bis 1983 war er ferner als Ersatzmitglied des Verfassungsgerichtshofes tätig.

Neben der richterlichen Tätigkeit habilitierte er sich 1969 an der Universität Innsbruck und erhielt 1978 eine Honorarprofessur für Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie deren Geschichte. Sein besonderes Interesse, die Achtung der Grund- und Freiheitsrechte, mündete in seine Berufung in das Expertenkollegium des Bundeskanzleramtes für Probleme der Grund- und Freiheitsrechte. Abseits der Wissenschaft waren Lehne die staatsbürgerliche Erziehung und die politische Bildung ein großes Anliegen, das etwa in der Mitherausgabe einer Broschürenreihe des Unterrichtsministeriums seinen Niederschlag fand. Sein Buch „Demokratie ohne Illusionen“ galt als „eine der besten Einführungen in die einschlägige Problematik, die im deutschsprachigen Raum erschienen sind“ (Ludwig Adamovich).

Im Ruhestand nahm Friedrich Lehne auf Ersuchen Kardinal Königs in diplomatischer Funktion von 1986 bis 1989 in der Delegation des Heiligen Stuhls auf dem Wiener Folgetreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teil. Als engagierter Katholik trat er für den Schutz des ungeborenen Lebens ein, war unter anderem Mitbegründer der Gemeinschaft „Rettet das Leben“ und auch an der Vorbereitung mehrerer Katholikentage beteiligt.

Sein vielfältiges Wirken wurde mit höchsten Auszeichnungen gewürdigt, wie etwa mit dem päpstlichen Komturkreuz des Gregoriusordens mit dem Stern 1973 und dem Kardinal-Innitzer-Preis 1989. Friedrich Lehne starb am 16. Dezember 2006.