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Nähere Informationen über die Organisation und die Arbeit des Verwaltungsgerichtshofes können Sie auch der Informationsbroschüre entnehmen, die hier zum Download bereitsteht.

Aktuelle Fotos zur Böhmischen Hofkanzlei finden Sie hier:

Emil Hácha – Jurist, Lyriker, Staatspräsident

Emil Hácha wurde am 12. Juli 1872 in Trhové Sviny bei Budweis geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Karls-Universität Prag, wo er auch promovierte, arbeitete er zunächst in der Advokatur und als Jurist für den Böhmischen Landesausschuss (die damalige Landesregierung Böhmens) in Prag. Er war auch als Lyriker und Übersetzer von Romanen aus dem Englischen tätig. Im Jahre 1916 wurde er zum Hofrat des Verwaltungsgerichtshofes in Wien ernannt. Nach Gründung der Tschechoslowakei 1918 wurde Hácha in Prag Richter am neu geschaffenen Obersten Verwaltungsgericht, dessen Konzeption dem österreichischen Modell ähnelte. Mit Rücktrittsdrohungen setzte der erste Präsident des Obersten Verwaltungsgerichts, Ferdinand Pantůček, die Ernennung Háchas zu seinem Stellvertreter gegen den Willen der Regierung durch, die den Posten des Vizepräsidenten mit einer politischen Persönlichkeit besetzen wollte. Von 1925 bis 1938 war Hácha schließlich selbst Präsident des Obersten Verwaltungsgerichts.

Foto von Emil Hácha

Nach dem Münchener Abkommen 1938, das die Abtretung tschechoslowakischer Gebiete an das nationalsozialistische Deutschland vorsah, konnten sich die politischen Kräfte – in einer für die Tschechoslowakei innen- wie außenpolitisch äußerst prekären Lage – bei der Nachfolge des zurückgetretenen Staatspräsidenten Edvard Beneš lediglich auf Emil Hácha als allseits anerkannte Persönlichkeit einigen. Obwohl der damals 66-jährige Hácha aufgrund seines Alters und seiner schwer angeschlagenen Gesundheit kein politisches Amt anstrebte, erklärte er sich schließlich dazu bereit und wurde am 30. November 1938 in der Nationalversammlung mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt.

Seine Bemühungen um eine Lösung der politischen Krise, die durch Abspaltungstendenzen und Spannungen mit Deutschland noch eskalierte, missglückten. Bei einem Treffen mit Adolf Hitler am 15. März 1939 in Berlin stimmte Hácha unter massivem Druck sowie offenen Drohungen, Prag zu bombardieren, nach einem Schwächeanfall einem Protektoratsvertrag zu, der den Untergang der Souveränität der Tschechoslowakei bedeutete. Hácha blieb Präsident des „Protektorats Böhmen und Mähren“, hielt anfangs noch Kontakt zur Exilregierung in London und setzte sich erfolgreich für die Freilassung von Gefangenen ein, hatte aber kaum politischen Handlungsspielraum, der mit der Dauer des Krieges überhaupt verschwand. Trotz seines sich drastisch verschlechternden Gesundheitszustandes verblieb Hácha – vom NS-Regime als Marionette benutzt – bis zum Einmarsch der Sowjetarmee im Mai 1945 im Amt. Kurz darauf wurde er wegen Kollaboration mit den Besatzern in Untersuchungshaft genommen, wo er am 27. Juni 1945 im Alter von 73 Jahren starb.

Emil Hácha gilt als einer der historisch bedeutendsten tschechischen Verwaltungsjuristen. Als Politiker in einer schier aussichtslosen Lage wurde er zu einer umstrittenen Persönlichkeit. Er wird aber auch als eine tragische Figur der neueren tschechischen Geschichte gesehen.